Kritikprofis auf beiden Seiten – 8 Tipps

Shitstorm? Das kann mir nicht passieren. Ich bin doch diplomatisch und möchte nur, dass es effektiver läuft.

Herumpöbeln in Social Media, negative Kommentare auf dem Unternehmensblog oder persönliche Angriffe während einer Präsentation. PR-Doktor Kerstin Hoffmann ruft zur Blogparade „Kritikprofis“ auf. Wie gehe ich als Mensch mit konstruktiver (bereichernder) oder destruktiver (zerstörender) Kritik um und wie lerne ich beides zu unterscheiden?

Gern möchte ich Ihnen folgende persönliche Situation beschreiben: Monatliches Teammeeting der Fachrichtungsleitungen und des Direktors einer Berufsfachschule. Ich, frisch aus dem Studium (Organisationsentwicklung/ Schwerpunkt: Wissensmanagement), Dozentin in dieser Schule, um in der „Praxis“ zu bleiben und voller Tatendrang. Denn: meine letzte Projektarbeit im Studium durfte ich an dieser Schule durchführen und das Ergebnis lautete: HANDELN. Unbedingt müssen wir was tun! Es besteht ein hoher Bedarf am strategisch gut durchgeplantem Wissensmanagement. Ständig wechselt Personal, die rechte Hand weiß nicht was die linke tut, große Kommunikationslecks, schlechte Außenwirkung und sinkende Schülerzahlen sind die Hauptprobleme. Das Teammeeting läuft wie immer, der Direktor spricht und spricht und verspricht mir die letzten 10min. Ok, letztendlich bekomme ich 5min und lege los… Ich spreche keine Minute und der Shitstorm, den ich bisher nur als Beobachter kenne, bricht nur so auf mich ein. „Theoretiker“, „Student“, „wo soll die Zeit herkommen“, „das brauchen wir nicht“, „läuft doch“, „das haben wir schon“, „hier will jemand die Welt retten“….! Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich wollte doch nur etwas bewegen – gemeinsam mit meinen neuen Kollegen! Scheinbar keine gute Idee. In meinem Kopf klingelte nur der „Fail-Sound“ aus der Fernsehserie Familienduell. Die Zeit war um und ich konnte so oder so nichts (mehr) sagen. Auf dem Weg nach Hause, fragte ich mich: „Was war los?“.

Also was war los? Lange habe ich mir Gedanken und Notizen gemacht und bin zu dem Entschluss gekommen: Mir saßen „Kritikprofis“ gegenüber. Und ich war in einer schlechten Position (und so gar kein Profi im Kritikumgang). Meine Kollegen waren natürlich gut darin, neues abzuwähren. Darin sind wir zunächst alle gut – denn Neues bedeutet Veränderungen, die einen ganz persönlich betreffen und Arbeit bedeuten. Sei es eine Verhaltensänderung , eine Denkänderung oder Umstrukturierung. Das ist ein sensibles Thema und es bedarf dafür ein sensibles Vorgehen. Das hatte ich vergessen. Ich teile Kritik hier in: destruktive und konstruktive Kritik ein. Destruktive Kritik war für mich persönlich beispielsweise „da will jemand die Welt retten“. Konstruktiv beispielsweise war „wo soll die Zeit herkommen“. Was wäre zu tun gewesen – 8 Tips:

  1. Egal, ob man real oder virtuell Wissen, Meinungen oder Persönliches der Öffentlichkeit preis gibt: man muss auf Kritik emotional vorbereitet sein. Kritik passiert und das ist auch gut so. Sei emotional vorbereitet!
  2. Je nach Situation sollte eine entsprechend vorweggenommene detaillierte Argumentation für eventuelle Kritik stattgefunden haben. Denn man sollte zeitnah reagieren können. Sei also auch hier vorbereitet und sprich mit Freunden und Kollegen darüber!
  3. Auch kann es hilfreich sein, bevor gepostet oder gesprochen wird, „Wording-Listen“ zu erstellen. Im Bezug auf Kritik ist eine „No-Word-Liste“ sinnvoll. Kenne dein Publikum und erstelle „Wording-Listen“!
  4. Es muss Kritikzeit eingeplant werden. Nichts ist destruktiver, als wenn man selbst und auch kein anderer aus Zeitgründen auf Kritik eingehen kann. Plane Zeit ein und nimm sie Dir auch!
  5. Jedoch sofort zu reagieren birgt die Gefahr, dass man selbst emotional abrutscht und auch nicht konstruktiv bleibt, sich vielleicht sogar rechtfertigt. Lass die Kritikprofis sich eine gewisse Zeit austoben und sammle währenddessen deine Gedanken.
  6. Die Aussagen der Kritiker nochmal mit eigenen Worten zu wiederholen schafft Zeit und entschärft das ein oder andere. Paraphrasiere und frage nach, ob dies auch so gemeint war!
  7. Auch kann es sinnvoll sein, den roten Faden nochmals aufzugreifen. Verweise auf das Ziel und die Kernthematik!
  8. Bei einem Vortrag oder einer Präsentation ist es auch manchmal sinnvoll, Fragen und Meinungen erst am Ende des Vortrags zuzulassen. So kann der Vortrag schlechter gesprengt werden. Plane ein und gib bekannt, dass am Ende Platz für Fragen und Diskussionen ist!

Auf virtuelle oder auch reale Querulanten nicht einzugehen oder deren Kommentare zu löschen ist bekannterweise keine gute Idee (besonders Kommentare sollten nur gelöscht werden, wenn ein klarer Verstoß gegen die Richtlinien stattgefunden hat). Die Kritikprofis lassen sich woanders aus, wo man selbst nun keine Kontrolle mehr darüber hat – das wäre ein Worst-Case. Nach kurzem „Austoben“ der Kritiker muss eine konsequente Moderation der Kritik erfolgen. Bei stark destruktiver Kritik sollte auf die Verhaltensregeln oder Netiquette hingewiesen werden. Sollte sich dennoch nichts am Querulanten ändern und es zu rau werden, sind die vorher festgelegten Richtlinien gebrochen und der Kritiker kann verwiesen werden oder der Kommentar gelöscht.

Letztendlich ist wirklich nicht zu bändigende destruktive Kritik sehr selten. Durch aufmerksames Zuhören/ Lesen und eine gute Vorbereitung kann der Kritik der Wind aus den Segeln genommen und im besten Fall sogar mehr positive Aufmerksamkeit und Reichweite erreicht werden. So stehen sich dann zwei Kritikprofis gegenüber.

 

 

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