Wie Sie freie Lehr- und Lernmaterialien als nützliches Hilfswerkzeug im Unternehmen einsetzen

Warum Sie freie Lehr- und Lernmaterialien (OER) unbedingt in Ihrer Einrichtung einführen sollten und wie eine diesbezügliche Umsetzung ausschauen kann, erfahren Sie im nachfolgendem Artikel. Haben Sie schon einmal etwas von OER gehört? Egal ob ja oder nein, Sie sind hier richtig 🙂 ! OER ist die Abkürzung für Open Educational Resources und meint soviel wie freie Lehr- und Lerninhalte. Lehrende sollen zu Lehrmaterial einen freien Zugang erhalten und mit diesem dann kreativ weiterarbeiten können. Hinter der Idee steht das Ziel einer großen Enzyklopädie, um freies Wissen zu fördern. Und was in Schulen und Universitäten nun immer mehr auf  Anklang trifft („Wer ist denn dieser MOOC und was hat er mit Schule zu tun“), kann durchaus auch Gewinn bei anderen Instituten und Unternehmen bringen. Denn es geht hierbei ums neue Lernen!!! Ein Mitarbeiter will und muss die Freiheit haben, das zu machen und zu erfahren, was für seinen Kontext und für seine Position wichtig ist. Warum? Weil:

  • Lernen heute (zum Glück) individueller gedacht wird und auch über verschiedenste Arten möglich ist (jeder lernt anders).
  • Die Ressourcen von Ihren Mitarbeitern nur ausgeschöpft werden können, wenn das individuelle Lernen berücksichtigt wird.
  • Potential und Geld verschenkt wird, wenn Wissen, welches durch beispielsweise Weiterbildungen erworben wird, personengebunden bleibt.
  • Unheimlich viel für Einarbeitungszeiten inklusive der meistens folgenden Rattenschwänze (fehlerhafte Einarbeitung) drauf geht, wenn Mitarbeiter in den Urlaub gehen oder gar das Unternehmen verlassen .
  • Uns alle die Digitalisierung (ja, auch die Bildungs- und Gesundheitsbranche!) einholt und die nachkommenden Generationen mit diesen komplett neuen Lern- und Wissensmodellen aufwachsen.
  • Sonst es immer schwerer sein wird, gute Mitarbeiter für sein Unternehmen zu gewinnen.
  • Das Bearbeiten bestehender Inhalte unheimlich kreativ und innovationsfördernd sein kann.
  • Das Nehmen, Geben und Zusammenarbeiten sich gut auf das Unternehmensklima auswirkt.
  • Immer wiederkehrende Fehler dadurch ausgelöscht werden können.
  • Das stille Wissen von Mitarbeitern dadurch nutzbar gemacht wird.
  • Solche zeitraubenden Dinge, wie die tägliche E-Mailflut, dadurch stark reduziert werden kann…

Eine offene Bildungsressource im Unternehmen ist ein durchaus gut angelegtes Projekt. Aber wie könnte so eine Umsetzung aussehen? Beispielsweise über eine virtuelle Umsetzung mittels eines Wikis. Wikis sind Enzyklopädien mit vielen Autoren, die man nicht nur lesen, sondern auch editieren und kommentieren kann und muss. Davon lebt ein Wiki. Gerade deswegen besteht bei Unternehmen aber auch häufig eine große Zurückhaltung – gegenüber der Ausbreitung von unkontrollierten Inhalten. Gerade die Erfahrungen belegen jedoch, dass falsche Informationen sich in der Regel schnell durch die geschulte Community selbst korrigiert. Dadurch kann sich ein Resonanzzustand auf höchster inhaltlicher Qualität ergeben. Hilfreich dabei ist die Funktion, dass die jeweiligen Autoren namentlich vermerkt sind und jederzeit auf die vorige Version zurückgegangen werden kann. Kurzum: Der einladende, offene und prozessorientierte Charakter von Wikis fördert das Lernen und gemeinsame Konstruieren von neuem Wissen. Und wenn wir ehrlich auf die momentane digitale Entwicklung blicken, erhöhen die zunehmende Datenflut und Komplexität von Wissen den Bedarf an wikiähnlichem Werkzeugen und teamorientierten Arbeiten. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Neue Wikisoftware (Liste von Wikisoftware) ermöglicht nicht nur das Texte erstellt werden können, sondern auch eine leichte Einbindung von Bildern, Tönen und Videos. Somit könnten alle Lerntypen abgebildet werden.

Was jedoch zu beachten ist: Bei der Einführung eines Wikis ist es nicht mit dem Herunterladen der Software erledigt. Es sollten immer die Ängste und Hoffnung der Mitarbeiter mit einbezogen werden und es muss ein deutlicher Nutzen für die Mitarbeiter herausgearbeitet werden. Weiterhin ist Nachahmung und Vorbild alles – meint, dass Führungskräfte die Wiki-Nutzung vorleben sollten. Und auch die Medienkompetenz der Mitarbeiter muss vor der Wikieinführung geschult werden. Das alles bedarf Zeit. Nicht nur einmalig, sondern die zukünftigen Autoren brauchen auch im Arbeitsalltag „Wikizeit“. Der Einführungsprozess könnte anschließend wie folgt aussehen (stark abgekürzt):

  1. Zuerst müssen die Ziele festgelegt werden, die mit dem Wiki erreicht werden sollen.
  2. Dann sollten Projektbeteiligte und Verantwortlichkeiten geklärt werden.
  3. Bereits bestehende Informationsprozesse sollten aufgedeckt werden.
  4. Weiterhin ist abzuschätzen, wie die „Stimmung“ und Motivation bei den Mitarbeitern bezüglich der Wikieinführung ist.
  5. Es muss ein Wiki-Team gebildet werden, welches besonders bei der Einführungsphase unterstützend wirkt.
  6. Es sollten Workshops zum Thema mit anschließender Absprache gehalten werden.
  7. Es muss sich für ein passendes Wiki-Systems entschieden werden.
  8. Eine kontinuierliche Unterstützung durch das Wiki-Team erfolgt.

Fazit: Mit einer offenen Bildungsressource im Unternehmen können so einige Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Für kleinere Zwecke gibt es bereits gute Freeware. Es lohnt sich also unbedingt ein Blick hinter oder besser gesagt in die Mitarbeiter. Denn die sind das eigentliche Kapital eines Unternehmens – verschenken Sie dieses Potential also nicht! Nutzen Sie bereits offene Bildungsressourcen fürs neue Lernen in Ihrem Unternehmen? Schreiben Sie es doch in die Kommentare!

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