Ein Geheimnis, welches Sie über erfolgreiche Unternehmen wissen sollten

Megatrends, wie Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Arbeit 4.0 oder aber auch die Digitalisierung stellen den Erfolg eines Unternehmens auf eine harte Probe. Darum ist es heute für Unternehmer umso wichtiger, das Wissen seiner Mitarbeiter mit effektiven Maßnahmen aufzugreifen, im Unternehmen weiterzugeben und zu sichern. Aber was, wenn die Mitarbeiter nicht bereit sind, Ihr erfolgskritisches Wissen ihrem Unternehmen bereitzustellen? Liegt es an den Mitarbeitern? Ist es nicht das Beste, diese dann zu kündigen? Schließlich sind sie nicht bereit, alles für IHR Unternehmen zu geben! Oder ist der Grund, dass das Wissen nicht geteilt wird, vielleicht ein anderer? Liegt es womöglich am Unternehmen? Dem Umfeld oder an Ihnen? Die Manufaktur für Wachstum ruft in einer Blogparade zum Thema Fortschritt in Beziehungen zu Beiträgen und Erfahrungsaustausch bei genau diesem Thema auf. Und ich persönlich freue mich sehr über diesen Aufruf, denn in meiner bisherigen Arbeit konnte ich immer und immer wieder feststellen, wieviel Positives Beziehungsarbeit in einem Unternehmen heben kann und wieviel effektiver ein Team arbeitet, wenn das „Drumherum“ stimmt. Für den zukünftigen Erfolg gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist es enorm wichtig, die Quelle der inneren Wertschöpfung effektiv zu nutzen und auch dauerhaft für das Unternehmen zu sichern. Und damit meine ich nicht das Offenlegen von Faktenwissen der Mitarbeiter, wie Anleitungen, Richtlinien, Verträge…Nein, ich meine das Teilen von implizitem Wissen (lesen Sie dazu auch weiterführend diesen Beitrag). Ich meine das Wissen, welches dem Mitarbeiter vorerst gar nicht bewusst ist, ihn aber als Einzigartiges ausmacht. Es sind die einzelnen Erfahrungen, die dieser Mitarbeiter im Laufe seiner Zeit gesammelt hat und die so oft übersehen werden, aber so unglaublich wichtig für ihr Unternehmen sind! Denn, und das weiß man nicht erst seit heute, implizites Wissen stellt ca. 90% des Wissens in Unternehmen dar (Schewe/ Nienaber 2011). Das wissen ihre Mitarbeiter natürlich. Das macht sie für Sie unersetzbar. Besonders gut zu spüren ist dies, wenn es um Urlaubsvertretung, Krankheitsvertretung oder Mitarbeiternachfolge geht. Hat der Mitarbeiter nicht schon vorher sein erfolgsrelevantes Wissen mit Ihrem Unternehmen geteilt, sehen Sie sozusagen alt aus. Klar können Sie versuchen es aus ihm noch herauszubekommen, ihn auszuquetschen. Aber mal ganz ehrlich: Wie bereit wären Sie an dieser Stelle Ihr Wichtigstes preiszugeben?

Wo liegt nun das Problem? Was können Sie also tun?

Ich kann Ihnen ganz klar und ganz frei heraus sagen: Das Problem liegt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bei Ihnen und Ihrem Unternehmen. Und nein, ich denke, ich lehne mich mit dieser Aussage nicht zu weit aus dem Fenster. Aber ich kann Sie beruhigen. Sie als Führungskraft oder Teamleiter können ganz konkret etwas tun! Sie können Beziehungsarbeit leisten. Sie müssen es sogar. Und es gibt vielerlei Beziehungen in einem Unternehmen:

  • die Beziehung der Mitarbeiter untereinander
  • die Beziehung der Mitarbeiter zu Ihnen als Führungskraft
  • die Beziehung der Mitarbeiter zum eigenen Unternehmen
  • die Beziehung der Mitarbeiter zur Branche

Und nun können Sie sich selbst sicherlich sehr gut vorstellen, dass wenn diese Beziehungen nicht gesund sind, ein Mitarbeiter niemals zu 100% sein implizites Wissen offenlegt. Wieso auch? Weil er Geld dafür bekommt? Nein, dass ist laut vieler Belege schon lange kein Grund mehr für Ihren Mitarbeiter. Aber das Gute ist, Sie können an diesen Punkten ansetzen. Dazu muss die berüchtigte und schon viel erwähnte Unternehmenskultur passen, um positive Beziehungsarbeit zu gestalten und damit das Teilen von erfolgskritischem Wissen anzuregen. Eine passende Unternehmenskultur dafür wäre eine offene und teamorientierte. Kennzeichnend dafür sind ein kooperativer Umgang miteinander, eine offene Kommunikation, ein starkes Vertrauensverhältnis, was wiederum dazu anregt, Dinge offen und kritisch anzusprechen. Eine solche Unternehmenskultur bedeutet aber auch, dass sich ein Unternehmen seiner sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist, diese wahrnimmt und eine Corporate Governance (sog. Ordnungsrahmen eines Unternehmens) hat, welche offen und transparent nach intern und extern ist. Nun zu den einzelnen Beziehungen:

Die Beziehung der Mitarbeiter untereinander

Ihre Mitarbeiter müssen sich untereinander gut riechen können. Intrigen, Mobbing, Streitereien sind absolut kontraproduktiv für die Arbeit Ihrer Mitarbeiter. In einem solchen Klima wird niemand gewillt sein, seinen Wissensschatz bereitwillig offen zu legen. Sie als Führungskraft müssen daher immer die Ohren für derartige Konfliktfelder offen halten und diesen auch präventiv begegnen. Das ist keine einmalige Sache, sondern erfordert eine gut durchdachte und kontinuierliche Teamstrategie. Dabei spielen Teamentwicklungsmethoden, von denen es unzählige gibt, eine große Rolle.

Die Beziehung der Mitarbeiter zu Ihnen als Führungskraft

Haben Sie schon einmal was von Führen auf Augenhöhe oder flachen Hierarchien gehört? Ich muss Ihnen mitteilen, dass das keine neumodischen und flüchtigen Erscheinungen sind, sondern eindeutige Führungstrends, die sich eher noch verstärken werden, als abnehmen. Nehmen Sie diese nicht ernst, werden Sie, und entschuldigen Sie, dass ich nun so direkt bin, mit hoher Wahrscheinlichkeit untergehen – besonders im KMU-Bereich. Denn heute und in Zukunft ist es als Alleinkämpfer schwer. Offenheit, Fairness und ehrliche Wertschätzung schafft eine belastbare und effektive Beziehung zwischen ihren Mitarbeitern und Ihnen. Als Grundlage dafür sei Ihnen folgender einführender Link auf Basis der Methodik von Dr. Marshall Rosenberg empfohlen. Erst wenn  Ihr Mitarbeiter merkt, dass sie es ehrlich und ernst mit ihm meinen und auch ein ehrliches Interesse an seiner Entwicklung haben, wird er Ihnen sein Wissen „schenken“.

Die Beziehung der Mitarbeiter zum eigenen Unternehmen

Klar sind ein Kaffeevollautomat und ein Kicker in einem Loftbüro cool. Aber gerade im KMU-Bereich ist die Liquidität nicht immer gegeben und auch das Kicker nicht immer passend. Sie können Ihre Arbeitgeberattraktivität jedoch auch anders steigern. Wichtig hierfür ist, dass Sie um Ihre Arbeitgebermarke wissen. Bei der Arbeitgeberattraktivität sind dem Arbeitnehmer zunehmend mehr immaterielle Werte wichtig. Wie beispielsweise schon bereits erwähnt, das ehrliche Lob oder die ehrliche Anerkennung der Tätigkeit und Arbeit des Mitarbeiters. Es ist also vielmehr das wertschätzende Verhalten der Führungskräfte gegenüber den Mitarbeiter, als die Vergütung oder der Kaffeevollautomat im Loft (obwohl dieser Kaffeevollautomat für Ihre Mitarbeiter schon ein guter Schritt in die richtige Richtung wäre 😉 ). Sie können mir glauben, dass mit der Arbeit an der Arbeitgeberattraktivität Ihre Mitarbeiter sehr viel mehr bereit sein werden, ihr Wissen mit IHREM GEMEINSAMEN Unternehmen zu teilen.

Die Beziehung der Mitarbeiter zur Branche

Bei diesem Punkt haben Sie besonders bei Einstellungsgesprächen die Möglichkeit mit einzuwirken. Das heißt nicht, dass Ihr zukünftiger Mitarbeiter unbedingt aus Ihrer Branche kommen muss. Es gibt durchaus viele sehr gute und gewinnbringende Quereinsteiger. Diversität spielt beim Erfolg eines Unternehmens heute eine bedeutende Rolle. Jedoch sollte Ihr zukünftiger Mitarbeiter „branchenphil“ sein und Interesse für diese Branche mitbringen. So ist die Chance groß, dass Ihr Mitarbeiter  eine hohe Motivation an den Tag legt und gewillt ist, im Austausch auch sein Wissen mit anderen in Ihrem Unternehmen zu teilen oder aber auch gewinnbringend zu nutzen.

Und hier kommt das Fazit

Sie sehen also, dass in einigen wenigen und vor allem von Ihnen sehr gut beeinflussbaren Bereichen Beziehungsarbeit sehr nützlich sein kann, um das erfolgskritische implizite Wissen Ihrer Mitarbeiter aufzuschließen  und nachhaltig für Ihr Unternehmen zu sichern. Die Faustregel hierfür könnte auch lauten: Nicht nur Nehmen, sondern auch Geben! Zur Beziehungsarbeit gibt es vielerlei Methoden, die Sie dafür anwenden können. Versinken Sie hierbei jedoch nicht in der auf dem Markt bestehenden Methodenvielfalt, sondern entscheiden Sie sich auf Basis Ihrer entsprechend ausgearbeiteten Strategie für die richtigen Maßnahmen. Zugegebener Maßen gibt es natürlich auch jene Mitarbeiter, welche resistent gegenüber Ihrer Beziehungsarbeit sein werden. Hier sollten Sie selbstverständlich gemeinsam mit diesen Mitarbeitern überlegen, wo und wie es in Zukunft mit oder nicht mit Ihnen weitergehen soll. Verbesserungsarbeit in Beziehungen also JA, jedoch hat dies auch seine Grenzen (ich bin mir jedoch sicher, dass dies nur einen ganz kleinen Prozentsatz ausmacht). Sie sehen somit: Ein Geheimnis erfolgreicher Unternehmen ist die Pflege der Beziehungen. Und wenn Menschen ihr Wissen teilen sollen, ist dies eine Frage der bestehenden Beziehungen zueinander und der Fortschritt untereinander.

Haben Sie andere Handlungsfelder, in welchen ein Fortschritt in Beziehungen nützlich für ein Unternehmen sein könnte? Lassen Sie es uns doch in den Kommentaren wissen!

2 Comments

  • Gavino Wismach

    19. März 2016

    Sehr geehrte Frau Kopkow, ich begrüße ihren Impuls Unternehmen dazu zu bringen, über ihre Unternehmenskultur nachzudenken. Allerdings ist Ihr Beiträg so interpretierbar, das steile Hirachien einer Wissensabgabe im Weg stehen würden. Dies möchte ich in Frage stellen. Meines Erachtens nach haben Hirachieformen keinen direkten Einfluss auf die Wissensabgabe, solange sie von den Mitarbeitern als legitim wahrgenommen werden. Die Fragen des Commitments, der Unternehmensvision und der Transparenz von Entscheidungen sind meines Erachtes nach die wichtigeren Einflussfaktoren in der Führungfrage.
    Mit freundlichen Grüßen
    Gavino Wismach

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    • Peggy Kopkow

      21. März 2016

      Hallo Herr Wismach und vielen Dank für Ihre anregenden Gedanken! Sie haben ganz Recht. Sehr bewusst soll dieser Beitrag provozieren und vielleicht auch polarisieren. Genau dadurch kommt doch ein so guter Austausch zustande. Ob ein Unternehmen im klassichen Hierarchiesystem geführt wird oder die Unternehmensebenen eher hierarchieflach angelegt sind, ist ganz Teil der Unternehmenskultur und Führungsidee. Ganz klar gibt es Mitarbeiter in Unternehmen, die eine deutliche Aussage „von oben“ einfordern und auch starke Hierarchien als legitim empfinden. Was feststeht ist, dass die Arbeitswelt immer digitaler, schneller und komplexer wird. Keine Führungskraft wird in der Lage sein, die vielen neuen Möglichkeiten allein zu überblicken. Ein Unternehmer wird in Zukunft immer mehr auf das (implizite) Wissen seiner Mitarbeiter angewiesen sein. So ist und bleibt die Frage, wie eine Unternehmensstruktur aussehen kann, welche das Commitment der Mitarbeiter, die Unternehmenstransparenz und auch das Teilen von Wissen fördert.

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