Was bedeutet es gut zusammenzuarbeiten?

Partnerarbeit, Gruppenarbeit und Teamarbeit. Was in der Schule fleißig geübt wurde, wird im Arbeitsalltag tägliche Routine. Wie im Profisport kann ein Spieler mit Talent zwar einzelne Spiele entscheiden, aber nur geschlossen kann im Team ein Pokal geholt werden. Durch die immer tiefere Spezialisierung und Globalisierung sind immer mehr diverse Projektteams erforderlich. Aber was bedeutet eigentlich gute Teamarbeit und somit auch gute Zusammenarbeit im Unternehmen?

Ein erfolgreiches Team ist dann ein erfolgreiches Team, wenn es effektiv und effizient Teamziele erreicht. Und dabei geht es eigentlich fast immer um gute Kommunikation und Interaktion. Denn es sind Menschen die im Team zusammenarbeiten. Jeder einzelne von Ihnen hat ein ganz individuelles Leben, Werte, Ansichten, Erfahrungen, Wünsche, Bedürfnisse… Und jetzt werden die meisten schon abschalten. Wieder irgendein weiches „blabla“. Ja, liebe Führungskräfte. Ihr Team besteht aus Menschen. Und die meisten Probleme im Team entstehen durch unzureichende Interaktion, schlechte bis keine Kommunikation und irgendwelche unbearbeiteten Zwischenmenschlichkeiten. Darum hier ein paar Fragen die Sie sich stellen sollten, um herauszufinden, ob Ihr Team gut miteinander funktioniert.

Arbeitet Ihr Team effektiv zusammen? Klick um zu Tweeten

Haben wir eine gemeinsame Vision?

Nennen Sie es vielleicht auch, „eine gemeinsame innere Haltung gegenüber dem Unternehmen“. Jeder der Teammitglieder muss sie haben – diese gemeinsame Haltung. Die Daseinsberechtigung des Unternehmens und somit auch die des Teams müssen klar sein. Alle Mitglieder im Team sollten sich damit identifizieren können. Nur mit einem gemeinsamen Mindset kann ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entstehen und damit auch das Gefühl etwas bewirken zu können. Im Team, im Unternehmen, aber auch im großen Ganzen.

Wie organisieren wir uns, um uns auszutauschen?

So klar wie das manchen scheinen mag, so unklar wird die Frage gern beantwortet: „Wir tauschen uns in Meetings aus“, „per Mail“ oder auch „in der Kaffeeküche“. Aber wie oft haben Sie schon in einem wirklich schlechten Meeting gesessen: nicht richtig vorbereitet, keine Agenda, der Zeitplan wird nicht eingehalten, am Ende des Meetings wurde die Hälfte der To Do´s wieder vertagt. Auch werden Sie nach einem Wochenende Mail-Timeout den Anblick Ihres Mailkontos gut kennen. Oder nach dem Urlaub. Mails im dreistelligen Bereich sind keine Seltenheit. Und meistens wurde man CC gesetzt oder hat so gar nichts mit der Sache am Hut. Ja, und die Kaffeeküche. Eigentlich wollen Sie in Ruhe eine Pause nehmen und dann kommt der Kollege oder Chef und lastet sie mit Arbeitskram zu. Die Probleme sind folgende: Die nicht abgeglichenen Bedürfnisse, Verantwortlichkeiten und „Spielregeln“. Fragen, wie „Wie sieht unsere Meetingkultur aus?“, „Wie wäre es, wenn eine Mail nur im äußersten Notfall versendet wird aber dann zielgerichtet und mit einer eindeutigen Frage?“ oder „Sollte die Kaffeküche bei uns vielleicht ein Ort der Ruhe sein oder nutzen wir Sie, um Mails und Meetings kurz zu halten?“.

Was hat jeder einzelner Mitarbeiter für ein Verantwortungsgefühl gegenüber dem Team?

Der Satz „Das liegt nicht in meinem Verantwortungsbereich und darum habe ich damit nichts zu tun“ ist ein typischer Satz, wenn wir von Silodenken sprechen. Der Untergang für gute Zusammenarbeit! In einem Team, welches gut zusammenarbeitet, wird Hand in Hand gearbeitet. Jeder hat seine Aufgaben, ja, aber alle sind für die Zielerreichung verantwortlich! Den Begriff „Verantwortungsbereich“ sollte es demnach gar nicht geben, denn jeder trägt die Verantwortung für das große Ganze. Wenn jedes Teammitglied ein echtes Verantwortungsgefühl gegenüber seinem Team und dessen Zielerreichung trägt, dann wird bei Problemen zusammen eine Lösung erarbeitet. Denn schwierige Entscheidungen trifft man gemeinsam. Ein Credo für erfolgreiche Zusammenarbeit sollte sein „Alle Mitarbeiter des Teams sind verpflichtet etwas zu tun, wenn Sie ein Problem bemerken. Auch dann, wenn es nicht im Rahmen Ihrer Rolle liegt“. Natürlich ist bei dieser Art von vollkommener Verantwortung ein zufriedener Mitarbeiter durch und durch notwendig.

Denn schwierige Entscheidungen trifft man gemeinsam. Klick um zu Tweeten

Sind unsere Rollen richtig verteilt?

Ein Organigramm in Unternehmen ist zunächst erstmal eine Darstellung informeller Beziehungen. Leider wird diesem Beziehungsgeflecht viel zu häufig eine Pyramidenstruktur aufgedrückt, die ausschließlich die Aufgabe hat, natürliche Arbeitsflüsse zu verhindern :). Eine klare Aufgaben- und Rollenverteilung ist für eine effektive Zusammenarbeit enorm wichtig. Jedoch sollte es kein Machtgefälle in Teams geben. Klar stellen sich die Teams je nach Unternehmenskultur entsprechend auf. Aber Macht und gute Zusammenarbeit sind einfach keine Freunde. Ein Begegnen auf Augenhöhe ist die Basis für effektive Zusammenarbeit. Dazu kann ich Ihnen von Herzen die Filmreihe Augenhöhe empfehlen. Auch bei diesen Filmen wird deutlich, dass es bei guter Teamarbeit nicht um Macht und Ego geht. Es geht um Menschen, die sich begegnen und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Und in diesem Rahmen finden sich dann auch die Rollen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten.

Gehen wir miteinander respektvoll um? Schätzen wir einander?

Das Eine inkludiert das Andere. Aus einem Begegnen auf Augenhöhe ergibt sich ganz selbstverständlich der respektvolle Umgang und das aneinander schätzen. Loyalität, Vertrauen und Respekt sind wichtige Pfeiler in der Zusammenarbeit in Teams. Die meisten Führungskräfte verstehen das auch. Nur bewegen wir uns hier nicht auf der Verständnisebene. Sondern dabei geht es um eine innere Haltung und Einstellung. Sie werden dauerhaft keinen Erfolg in der nachhaltigen und effektiven Zusammenarbeit in Ihren Teams haben, wenn Sie versuchen irgendwelche Teamspirit-Tools einzuführen und dabei ausschließlich wirtschaftliche Interessen haben. Bringen Sie Menschen zusammen, die sich gegenseitig angenommen fühlen, werden sie typische Teamprobleme, wie Silodenken, Machtkämpfe oder Verfehlung der Ziele auf Dauer nicht mehr haben. Denn ganz wie von selbst wird sich dann aus dem gemeinsamen Dialog und Ausprobieren ein Team formieren, dass nachhaltig effektiv zusammenarbeiten wird.

Wie gehen wir mit Konflikten um?

Wie oft haben Sie schon Konflikten beigewohnt, die nicht geklärt wurden? Wie wird im Arbeitskontext ein Konflikt zwischen zwei Mitarbeitern gelöst?  Ich bin mir sicher sie kennen das! Irgendwie gibt es viele ungeklärte oder eher schlecht gelöste Konflikte in Teams. Meistens wird versucht einfach weiter zu machen, so als wäre nichts gewesen. Dabei kosten ungeklärte Konflikte Ihr Team und Unternehmen bares Geld. Konflikte verhindern Arbeitsflüsse, fördern Silodenken („Wissen ist Macht“), behindern gut funktionierende Meetings, machen schlechte Laune und wirken sich auch auf die Motivation des gesamten Teams aus. Das Auftreten von Konflikten ist wichtig, ja. Konflikte regen Veränderungen und kontroverse Diskussionen an. Das was alle wollen! Aber Konflikte müssen sachlich ausgetragen und anschließend gelöst werden. Sehr gut funktionierende Teams sind auf Konflikte ganz formell vorbereitet. Sie haben mehrstufige Praktiken zur Konfliktlösung und sind stark darauf bedacht, dass kein Konflikt überdeckt bleibt.

Das Auftreten von Konflikten ist wichtig! Klick um zu Tweeten

Hat unser Team regelmäßig Zeit sich um sich selbst zu kümmern?

Teamarbeit bedeutet auch Beziehungspflege. Sind wir glücklich? Geht es uns gut? Arbeiten wir noch gemeinsam für die Daseinsberechtigung des Unternehmens? Gibt es Spannungen oder Konflikte, die unterschwellig arbeiten, aber noch nicht angesprochen wurden? Für derartige Beziehungsfragen braucht es einen Raum. Das können kurze wöchentliche Treffen sein oder ein monatliches Zusammenkommen. Wichtig ist, dass es sich nicht auf die jährliche Weihnachtsfeier beschränkt und das Beziehungsarbeit nicht unter den Teppich gekehrt wird. Praktiken für die Beziehungspflege im Team sehen je Unternehmen, welche die Beziehungsarbeit ebenfalls als unabdingbar empfinden, ganz unterschiedlich aus. Sei es ein „Tag der Dankbarkeit“, an welchem die Teammitglieder Ihren Dank ehrlich einem ganz bestimmten Mitarbeiter aussprechen oder das wöchentlich gemeinsame Meditieren. Und auch wenn viele Führungskräfte das nun als totalen Nonsens ansehen. Der Erfolg dieser Unternehmen spricht für sich. Am Rande möchte ich nur Buurtzorg, ein niederländisches Unternehmen für häusliche Krankenpflege erwähnen. Buurtzorg wurde Ende 2006 von Jos de Blok gegründet und wuchs binnen 10 Jahre von 10 auf 7000 Pflegekräfte. Ein enorm erfolgreiches Unternehmen, welches trotz der Gewinnorientierung auf genau solche Praktiken der Beziehungsarbeit setzt. Und wenn wir alle mal ehrlich sind, sind es doch genau jene Beziehungen, welche uns entweder aufhalten oder unglaublich bereichern und voranbringen.

Also was meinen Sie: Tun Sie was für eine gute Zusammenarbeit in Ihrem Team?

 

Schreibe einen Kommentar